"Der Rücktritt von Can hat uns sehr überrascht." - Mevlüt Ata

"Der Rücktritt von Can hat uns sehr überrascht." - Mevlüt Ata
Mevlüt Ata ist seit gut zweieinhalb Jahren beim FC Bottrop - erst als Sportlicher Leiter, dann Trainer der 1. Mannschaft, wieder als sportlicher Leiter sowie verantwortlich für die A Junioren und nun in Doppelfunktion sportliche Leitung und Trainer der 1. Mannschaft. Seit gut sieben Wochen ist er wieder Trainer des Bezirksligisten. Er hat die Mannschaft nach dem Rücktritt von Can Ucar übernommen. Wir haben mit ihm über die aktuelle Situation, die Zukunft des Vereins und den Bottroper Fußball gesprochen.
Mevlut Ata

Mevlut Ata - Wir haben mit ihm über die aktuelle Situation, die Zukunft des Vereins und den Bottroper Fußball gesprochen.

Nach dem deutlichen 0:13 gegen den SV Rhenania ist Can Ucar zurückgetreten - und das, obwohl die Saison bis dahin ziemlich gut lief. Selbst nach der Klatsche stand die Mannschaft noch auf Platz fünf. Wie überrascht warst Du vom Rücktritt von Can Ucar?

Ich war sehr überrascht, weil wir regelmäßig viel miteinander geredet haben. Aber das Spiel gegen Rhenania war sehr hart und er hatte seine Gründe zu sagen, ich mache nicht weiter. Wir akzeptieren und respektieren das. Trotzdem haben wir damit nicht gerechnet, auch die Mannschaft nicht. Die Spieler haben gesagt, dass sie sich das nicht hätten vorstellen können, aber haben es dann auch akzeptiert. Ich hatte auch nach dem Rücktritt noch Kontakt zu Can. Aktuell ist alles sehr sehr frisch und beide Seiten geben sich da Zeit. Es wird aber auf jeden Fall noch weiter Kontakt geben und dann schauen wir, was passiert.

"Der Rücktritt von Can hat uns sehr überrascht."

Mevlüt Ata, FC Bottrop
Gegen Rhenania hagelte es 13 Gegentore, gegen Königshardt sieben - gibt es für die Rückrunde neue Spieler, um die Abwehr zu stabilisieren?

Unsere gesamte Mannschaft hat genug Potenzial für unsere Ziele. Gegen Hohenbudberg haben wir sehr gut gespielt, da stand die Abwehr auch wieder. Gegen Königshardt ist dann zum Beispiel Denis (Hagenschulte) verletzt ausgefallen. Emre (Tuncer) musste spielen, obwohl er nicht fit war. Und wenn in der Abwehr Leute fehlen, dann wird es für uns sehr schwer. Wir haben viele Probleme, weil Marvin (Weigel) ausfällt und Sercan (Istek) nicht hundertprozentig fit ist. Vorne machen wir immer eine Bude, aber hinten müssen wir gut stehen. Gegen Hohenbudberg war das sehr gut und gegen Königshardt war das eine Katastrophe. Wir können das richtig einschätzen und die Höhe des Ergebnisses geht auch so in Ordnung.

Ist der Verein mit der aktuellen Saisonleistung, an der mit Sicherheit auch Can Ucar seinen Anteil hat, zufrieden?

Wir wussten, dass Spiele kommen werden, in denen es nicht läuft. Am Anfang ging die Formkurve steil nach oben, aber wir wussten, dass das nicht die ganze Saison so bleiben wird, weil die Spitzenmannschaften dann erst kamen. Wir haben alle Spitzenspiele verloren - außer auswärts gegen den VfB Bottrop. Das heißt im Endeffekt auch, dass wir noch nicht so weit sind. Wir wussten aber auch, dass wir Zeit brauchen, Wir haben viele junge Leute dabei. Der Tabellenplatz hat uns von Anfang an nicht interessiert.

Was ist Euer Ziel für die Rückrunde in der Bezirksliga?

Wir haben gesagt, wir schauen von Spiel zu Spiel und das wird auch weiterhin so laufen. Wichtig ist, dass wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Dass wir nicht ganz nach oben gehören, wissen wir selber. Dafür haben wir rundherum zu viele Vereine, die jetzt zu viel investieren. Wäre es eine “normale” Bezirksligasaison sage ich: Wenn alle zur Verfügung stehen, kommen wir unter die ersten Vier. In dieser Saison ist aber einfach eine große Ungleichheit da. Das akzeptieren wir.

Du bist ein alter Hase im Bottroper Fußball, wie siehst Du den aktuellen Bottroper Fußball und die wahrgenommene Konkurrenz zwischen den Vereinen?

Ich muss sagen: Der SV Rhenania hat sehr viele Mitglieder. Dass sie oben stehen wollen, ist klar. Sie haben über tausend Mitglieder, haben einen sehr gut geführten Verein und wenn sie es schaffen: Hut ab! Der VfB Bottrop hat immer den Anspruch gehabt. Ich habe selbst dort gearbeitet. Jupp Tubay und Edi Kaya machen das finanziell sehr gut. Das ist gut so - und wenn sie der Meinung sind, die müssen hoch, alles legitim. Wir sind da nicht neidisch, im Gegenteil: Wenn sie es haben, sollten sie auch aufsteigen. Für Bottrop wird es Zeit, dass mal eine Mannschaft höher spielt. Hoffentlich schafft es einer.

Du warst nicht nur beim VfB, sondern auch beim SV Fortuna. Wie sehr schaust Du noch in den Eigen oder in die Innenstadt? Bist Du mit diesen Vereinen noch verbunden?

Als ich bei Fortuna war, habe ich die gesamte A-Jugend hochgezogen. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Beim VfB habe ich eine Mannschaft übernommen, die auch gegen den Abstieg gespielt hat. Damit sind wir dann direkt aufgestiegen. Das hat alles sehr sehr viel Spaß gemacht. Beim VfB aber auch bei Fortuna habe ich noch viele Freunde zum Beispiel Uli (Fleischer), die Zuschauer rundherum und aus den Alten Herren. Man bleibt auch deswegen mit den Vereinen verbunden. Jetzt habe ich hier ein Projekt, das komplett anders ist. Hier leisten wir viel Integrationsarbeit. Im Fuhlenbrock kommen Oma und Opa mit zum Platz, hier kommen die Kinder allein zum Platz. Und deswegen ist es eine ganz besondere Sache, dass die Kinder hier von der Straße wegkommen. Man weiß selbst, wie schnell das geht: Falsche Freunde und schon ist man auf der schiefen Bahn. Das wollen wir verhindern. Ich bin der Meinung, dass wir das sehr gut machen, auch die Trainer. Wir würden gerne auf Leistung arbeiten, aber das schaffen wir nicht. Bei uns in der Umgebung macht der SV Rhenania das sehr gut. Wir nehmen dafür jedes Kind auf, das Fußball spielen möchte und wir schauen, wie weit wir damit kommen.

Was wünscht Du dir persönlich und für den Fußball in Bottrop für das anstehende Jahr?

Ich wünsche mir, dass ein Bottroper Verein in die Landesliga aufsteigt. Wenn es der VfB ist, ist es gut. Wenn es der SVR ist, ist es gut. Damit habe ich überhaupt kein Problem. Schade wäre, wenn wir nächstes Jahr wieder in der gleichen Gruppe spielen müssten und keiner von den beiden aufgestiegen ist. Wenn sie dann wieder mit so viel Geld rumschmeißen, wird es wieder schwer für die anderen Vereine, was zu reißen. Aber es ist legitim und wir müssen, wie gesagt, damit klarkommen und schauen, dass wir für Überraschungen gut sind. Wir werden unseren Weg weiter mit den jungen Leuten suchen. Dass wir dafür Zeit brauchen, ist klar, aber die Zeit nehmen wir uns auch. Wir wollen attraktiven Fußball spielen. Bei uns ist kein Druck dabei und wir gucken, was daraus wird. Geld alleine ist nicht unsere Welt.
e.

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